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Wenn Beziehungen Stress auslösen: Warum dich bestimmte Situationen so erschöpfen

Du fährst nach dem Sonntagsessen bei deinen Eltern nach Hause, und eigentlich ist gar nichts Dramatisches passiert. Nur der eine Satz deiner Mutter. Dieser Blick, den du aufgefangen hast, als kurz von deiner Kindererziehung oder deinem Job die Rede war. Das Gespräch ist längst vorbei, und trotzdem dreht es sich in dir immer weiter. Du merkst, wie angespannt dein Körper ist, wie erschöpft du dich fühlst. Wegen ein paar Sätzen, die, objektiv betrachtet, gar nicht so schlimm waren.

Vielleicht kennst du das eher aus einer neuen Beziehung. Eigentlich freust du dich und bist neugierig, wie sich alles entwickelt. Und dann kommen Themen auf, die dich verwundern und stutzig machen. Oder kennst du es aus einer langjährigen Partnerschaft oder aus dem täglichen „Ringen“ mit deinem Kind. Der gemeinsame Nenner ist immer derselbe: Eine Beziehung, die dir eigentlich wichtig ist, kostet dich gerade mehr Kraft, als sie dir gibt. Und du fragst dich: Warum trifft mich das eigentlich so sehr?

In diesem Artikel schauen wir gemeinsam genau dorthin. Nicht, um deinem Partner, deinen Eltern oder deinem Kind die Schuld zuzuweisen. Und auch nicht, um dir zu sagen, du müsstest nur „gelassener“ sein. Sondern um zu verstehen, was in dir passiert, wenn eine Beziehung Stress auslöst. Und wie du von dort aus wieder zu dir selbst zurückfindest.

Kleine Randnotiz: Dieser Artikel ist aus dem Transkript einer meiner Seelenanker-Abende entstanden, die jeden Donnerstag live per Zoom für Frauen in Erschöpfung stattfinden. Mit diesem kostenfreien Angebot möchte ich dir Impulse geben, damit du dich selbst besser verstehst, dich weniger allein fühlst und erste Wege der Entlastung erkennst. Auch wenn ich das Thema auf so wenig Raum kaum vollständig beleuchten kann. Nun wünsche ich dir wohltuende und erhellende Momente beim Lesen.

Wenn eine Beziehung dich mehr kostet, als sie dir gibt

Ich kenne dieses Gefühl aus eigener Erfahrung sehr gut. In einer langjährigen Beziehung habe ich erlebt, wie sehr wiederkehrende Konflikte in einer Beziehung erschöpfen können. Es waren nicht die einzelnen Streitmomente, die mich ausgelaugt haben. Das kommt in jeder Beziehung einmal vor. Ab einem bestimmten Zeitpunkt unserer Partnerschaft, ging es oft um das Aushalten einer schwierigen Stimmung. Oder das Bemühen, es immer recht zu machen und das Gefühl, ich müsste dafür sorgen, dass wieder Harmonie einkehrt. Diese Themen haben mich damals sehr herausgefordert und über die Zeit spürbar zu meiner eigenen Erschöpfung beigetragen.

Möglicherweise geht es dir gerade ähnlich. Dein Partner hat Eigenschaften oder Gewohnheiten, die du einfach nicht nachvollziehen kannst. Oder dein Kind bringt dich in bestimmten Situationen immer wieder aus der Fassung. Vielleicht sind es deine Eltern, bei denen du dir schon lange eine andere Art von Umgang wünschst. Du sprichst es an, weist vorsichtig darauf hin, versuchst es zu erklären. Und trotzdem ändert sich nichts, oder es ändert sich nur für einen Moment.

Das ist besonders frustrierend, weil du dir ja eigentlich eine erfüllende, harmonische Verbindung wünschst. Bei Partner und Eltern ein Gefühl von Gegenseitigkeit und von gesehen werden. Bei deinem Kind in der Lage zu sein, gelassen zu reagieren. Und wenn genau das fehlt, ist es nicht „nur“ Ärger, den du spürst. Es ist etwas, das an eine viel ältere Sehnsucht rührt.

Zwei Prägungen treffen aufeinander

Wenn zwei Menschen aufeinandertreffen – ob als Paar, als Mutter/Vater und Kind oder als Erwachsener und Elternteil – treffen tatsächlich zwei ganz unterschiedliche Welten aufeinander. Wir alle werden durch unser Leben geprägt. Man könnte sagen: Wir kommen als reines Potenzial auf die Welt. Doch schon im Bauch der Mutter bekommen wir Dinge mit auf den Weg, die uns später einschränken können. Meistens, weil den Eltern einfach das Wissen, die geeigneten Umstände oder Fähigkeiten gefehlt haben. Um ihrem Kind ausreichend Geborgenheit und Schutz geben zu können.

Ein besonders wichtiger Teil dieser Prägung betrifft unser Bindungssystem. Als kleine Kinder lernen wir bei unseren ersten Bezugspersonen, wie sich Sicherheit in einer Beziehung anfühlt – oder eben nicht anfühlt. Die Bindungsforschung unterscheidet dabei verschiedene Bindungsstile (Zu diesem Thema kann ich die Blogbeiträge von Kati Körner sehr empfehlen). Diese zeigen sich schon im Kleinkindalter: Kinder, die eher sicher gebunden aufwachsen, weil ihre Bedürfnisse gesehen und beantwortet wurden. Und Kinder, die eher unsicher gebunden aufwachsen, etwa wenn Nähe unberechenbar war oder Bedürfnisse zu oft übersehen wurden.

Sicher, ambivalent oder vermeidend: drei Bindungsstile

Wenn wir sicher gebunden aufgewachsen sind, weil unsere Bedürfnisse gesehen und erfüllt wurden, entwickeln wir meist auch eine gesunde Autonomie. Wir trauen uns, mutig unseren eigenen Weg zu gehen, weil wir früh Vertrauen in uns selbst entwickeln durften. Und wir lernen, dem Partner Freiräume zu lassen und gleichzeitig unsere eigenen Grenzen zu kennen und einzufordern.

Wenn wir dagegen zum Beispiel in einem eher unberechenbaren, ambivalenten Klima aufgewachsen sind, lernen wir, dass wir die Stimmung ständig abscannen müssen. Weil die Eltern mal ganz zugewandt waren und dann plötzlich abweisend oder gestresst. Als Kind lernt man dann schon sehr früh, alles dafür zu tun, dass sich die Eltern wieder beruhigen. Denn wenn die Eltern als instabil wahrgenommen werden, fühlt sich das Kind selbst nicht mehr sicher. Damit wieder alles gut wird, entwickelt ein Kind kluge Strategien, um solche Situationen „zu retten“. Dieses Muster trägt das Kind später, ohne es zu merken, in seine Partnerschaften oder andere zwischenmenschliche Beziehungen.

Und dann gibt es noch die Erfahrung, ständig auf Abstand gehalten oder ignoriert zu werden. Wer das erlebt hat, entwickelt oft einen eher vermeidenden Bindungsstil. Nähe fühlt sich schnell zu viel an, und der Rückzug wird zur vertrauten Strategie, sobald es emotional wird.

Wenn unterschiedliche Prägungen aufeinandertreffen

Keiner dieser Stile ist ein Makel. Es sind Strategien, die einmal sinnvoll waren, um in der eigenen Kindheit ein Gefühl von Sicherheit zu finden. Nur tragen wir sie unbewusst mit in jede spätere Beziehung – zum Partner, zu den eigenen Kindern, zu Kollegen. Und wenn zwei Menschen mit unterschiedlichen Prägungen aufeinandertreffen, ohne das voneinander zu wissen, entsteht schnell Verwirrung. Der eine sehnt sich nach Nähe, der andere braucht gerade Abstand. Die eine scannt ständig die Stimmung, der andere versteht gar nicht, warum.

Warum dich das bis in die Erschöpfung trägt

Vielleicht denkst du jetzt: Das erklärt, warum wir aneinander vorbeireden. Aber warum macht mich das so müde? Die Antwort liegt in deinem Nervensystem. Ein Konflikt oder eine ungeklärte Spannung in einer wichtigen Beziehung ist für unseren Körper ein Alarmsignal. Solange eine Situation ungelöst bleibt, bleibt auch dein Nervensystem in einer gewissen Anspannung. Selbst dann, wenn du nach der Auseinandersetzung mit deinem Partner wieder zur normalen Tagesordnung übergehst.

Chronischer, anhaltender Stress wirkt sich nachweislich auf Körper und Psyche aus. Er kann zu dauerhafter körperlicher Anspannung, Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen und Reizbarkeit führen. Bleibt die Belastung über längere Zeit bestehen, wird auch das Immunsystem in Mitleidenschaft gezogen. Der Körper wird anfälliger, und ein Gefühl der Erschöpfung kann sich verfestigen. Das ist eine ganz normale Reaktion eines Nervensystems, das dauerhaft im Alarm ist.

Deshalb ist es so wichtig zu verstehen: Es ist nicht „nur“ Streit, wenn eine Beziehung dich stresst. Es ist eine Belastung, die sich Stück für Stück auf deinen Körper legt. Genau wie beruflicher Druck oder eine zu volle Alltagsliste. Wenn du zusätzlich noch versuchst, in dieser Beziehung gleichzeitig alles zusammenzuhalten und niemanden zu enttäuschen, ist es kein Wunder, dass am Ende die Kraft fehlt.

Der übersehene Zusammenhang: Es geht nicht nur um den anderen

Hier kommt der Teil, der wirklich etwas verändern kann – auch wenn er im ersten Moment ungewohnt erscheint. Natürlich hat dein Gegenüber, ob Partner oder Elternteil, sein eigenes Thema (seine Prägung), dass seine Art der Kommunikation und sein Verhalten beeinflusst. Das kannst du nicht ändern. Was du aber ändern kannst, ist deine Perspektive darauf.

Der erste Schritt ist, von einer Metaebene auf die Situation zu schauen. Also nicht mittendrin im „Drama“, sondern einen kleinen Schritt zurückzutreten und mit etwas Abstand hinzuschauen. Denn häufig erwarten wir etwas von unserem Gegenüber, weil dahinter ein eigenes Bedürfnis steckt, das unerfüllt ist. Wenn dich also etwas in einer Beziehung triggert und du in den Widerstand gehst, darfst du dir drei Fragen stellen.

1. Was sehe ich eigentlich in dieser Person? Wie bewerte ich ihr Verhalten? Finde dann heraus, warum dich das so berührt:

  • Widerspricht das Verhalten deinen Werten?
  • Trägt die Person Eigenschaften, die du an dir selbst nicht magst?
  • Oder verhält sich die Person auf eine Art und Weise, die du dir selbst nicht erlaubst?

2. Was wünsche ich mir konkret von dieser Person? Nicht die abstrakte Idee einer „besseren Beziehung“, sondern ganz genau: Wonach sehnst du dich in diesem Moment?

3. Von wem hätte ich mir das ursprünglich gewünscht? Diese Frage führt oft am tiefsten. Sie zeigt, wo ein Bedürfnis vielleicht schon sehr lange darauf wartet, gesehen zu werden.

Ein Beispiel aus dem Leben

Der Mann einer Klientin, ich nenne sie hier Sarah, braucht viel Nähe. Sie wünscht sich jedoch regelmäßig Zeit für sich. Als sie mit etwas Abstand hinschaute, was sie in ihm sieht, wurde ihr klar: Sie sieht manchmal Eigenarten ihres Vaters in ihm. Der wollte ebenfalls sehr viel Nähe und umarmte sie als Jugendliche oft, obwohl ihr das zu viel war. Und was wünsche sie sich? Freiraum. Die Möglichkeit, auch einmal zu sagen: Jetzt gerade passt es nicht. Eine gesunde Grenze setzen zu dürfen. Und von wem hätte sie sich das ursprünglich gewünscht? Von ihrem Vater – dass er ihre Grenzen respektiert.

Vielleicht stellst du für dich fest, dass das, was du dir heute von deinem Partner wünschst, du dir eigentlich von deiner Mutter oder deinem Vater gewünscht hättest. Das ist keine Schuldzuweisung an deine Eltern. Es ist eine Spurensuche: Wo wurde ein Bedürfnis begraben, das bis heute unerfüllt geblieben ist?

Wie du deine inneren Anteile nährst, statt auf den anderen zu warten

Diese unerfüllten Bedürfnisse sind meistens an einen inneren Kindanteil geknüpft. An den Teil in dir, der die Erfahrung damals gemacht hat und in dem noch immer etwas von diesem alten Gefühl steckt. Vielleicht ein trauriger Anteil, der gerne gesehen worden wäre. Vielleicht ein wütender Anteil, der als Kind gelernt hat, seine Frustration nicht zeigen zu dürfen. Von dieser Perspektive ausgehend, spricht man von der Arbeit mit inneren Anteilen. Das ist ein Ansatz, der davon ausgeht, dass unterschiedliche innere Anteile aus früheren Lebensphasen bis heute in uns weiterwirken. Ich finde diesen Ansatz wunderbar. Denn von dieser Sichtweise aus können wir verstehen, dass diese Anteile gehört werden möchten, statt bekämpft zu werden. Auch in meiner Coaching-Arbeit greife ich auf diese sanften Prinzipien zurück, wenn wir gemeinsam diesen Anteilen Raum geben.

Und hier liegt die eigentlich befreiende Erkenntnis: Diese Verletzung ist damals in der Kindheit entstanden. Ursprünglich hätten die Eltern dieses Bedürfnis erfüllen müssen, weil wir es als Kind noch nicht selbst konnten. Doch das lässt sich heute nicht mehr rückgängig machen – und die Eltern können es heute auch nicht mehr nachholen. Was wir aber haben, was wir als Kind noch nicht hatten, sind unsere erwachsenen, ressourcenreichen Anteile. Und die können wir nutzen, um dem bedürftigen Anteil genau das zu geben, wonach er sich sehnt: gesehen zu werden, Geborgenheit zu spüren, geliebt zu werden.

Eine kleine Übung, um einen inneren Anteil zu nähren

Das kannst du ganz konkret üben, zum Beispiel so:

Erinnere dich zunächst an eine Situation, in der du genau das gefühlt hast, wonach du dich gerade sehnst. Vielleicht ein Gefühl von Sicherheit, von gesehen werden, von echter Verbundenheit. Es muss kein spektakuläres Ereignis sein. Für mich ist es zum Beispiel die Erinnerung an die Geburt meiner Kinder. Dieses tiefe Gefühl von Kraft und Liebe, das ich damals gespürt habe. Nimm wahr, wo genau du dieses Gefühl in deinem Körper spürst. Vielleicht in der Brust, im Bauch, als Wärme in den Händen. Diese Erinnerung – und die damit verknüpften Empfindungen – stellt eine dich stärkende Ressource dar.

Und dann lade den bedürftigen Anteil ein, der sich gerade in der Beziehung meldet. Der vielleicht Angst hat, traurig oder wütend ist. Bringe ihn in Kontakt mit dem Gefühl deiner nährenden Erfahrung. Du kannst dir vorstellen, wie beide Anteile sich begegnen: der bedürftige, jüngere Anteil und der ressourcenreiche, erwachsene Anteil in dir. Wie sie sich gegenseitig stützen können. Wie der jüngere Anteil bemerkt: Ich bin nicht mehr allein in meinem Kinderzimmer. Ich bin im Hier und Jetzt, in einem erwachsenen Ich, das für mich da sein kann.

Das ist der erste Schritt: dich selbst zu nähren, statt darauf zu warten, dass der andere es tut. Denn je mehr wir uns selbst nähren, desto weniger sind wir auf der Suche nach Futter im Außen. Sei es in der Beziehung, im Shopping oder anderswo. Wenn du regelmäßig üben möchtest, deine inneren Ressourcen bewusst zu aktivieren, findest du dazu weitere Impulse in meinem Artikel Ressourcen bei Erschöpfung: Wie du deine inneren Kraftquellen erkennst und im Alltag verankerst.

Verantwortung übernehmen, ohne dich schuldig zu fühlen

Es gibt noch einen Schritt, der aus meiner Erfahrung sehr viel Heilung in Beziehungen bringt: offen darüber zu sprechen, wenn du ein eigenes Muster erkennst. Nicht als Rechtfertigung, sondern als Klarheit.

Eine bestimmte Zeit lang habe ich die Erinnerungen und Gefühle in Bezug auf den Verlust meines Bruders unbewusst auf meinen Sohn projiziert. Zum Beispiel habe ich immer wieder nachgefragt, ob alles in Ordnung sei, sobald er nur einen Moment nachdenklich wirkte. Irgendwann, in seiner Pubertät, sagte er dann einmal: „Man Mama, mir gehts gut!“. Genau in dem Moment fiel bei mir der Groschen. Ich habe dann mit ihm darüber gesprochen. Dass mein ständiges Nachfragen, ob alles ok ist, mit dieser schmerzlichen Erfahrung zu tun hat. Und dass ich mir jetzt über mein Muster bewusst bin und Verantwortung dafür übernehme. Für ihn war das eine große Entlastung. Und für mich die Chance, meine Sorgen Stück für Stück abzulegen.

Wenn du deinen engen Bezugspersonen erklärst, warum du manchmal so reagierst, wie du reagierst, nimmst du damit weder dir noch dem anderen die Verantwortung für die Situation. Du schaffst Klarheit. Und Klarheit ist eine der heilsamsten Dinge, die es in einer Beziehung geben kann.

Der Weg zurück zu dir

Vielleicht magst du dir das als kleine, sanfte Übung für den Alltag mitnehmen: Beobachte in den nächsten Wochen, wann in einer Beziehung eine kleine Unstimmigkeit in dir aufsteigt. Ein Zweifel, eine Enttäuschung, ein Gefühl von „das war jetzt nicht okay für mich“. Und statt achtlos darüber hinwegzugehen, wie wir das oft über Jahre gelernt haben, darfst du kurz innehalten und diesen Momenten Raum schenken.

Es geht nicht darum, sofort die eine beste Lösung für die herausfordernde Situation zu finden. Es reicht, wenn du beginnst, deine Gefühle ernst zu nehmen. Wenn du merkst: Früher wäre ich hier einfach drüber gegangen. Heute nicht mehr. Das ist bereits ein mutiger Schritt zurück zu dir.

Denn eine Beziehung, die dich wirklich nährt, beginnt immer mit der Beziehung zu dir selbst. Es ist so wertvoll zu lernen, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und den inneren Anteilen das zu geben, was sie brauchen. Weil du so weniger angewiesen sein wirst auf das, was dein Gegenüber gerade imstande ist dir zu geben. Und du wirst leichter klare Worte finden, gesunde Grenzen setzen und dabei trotzdem verbunden bleiben.

Weiterlesen: Wenn du merkst, dass es dir schwerfällt, in deiner Partnerschaft Grenzen zu spüren und zu leben, findest du im Artikel Hilfe, mein Partner nimmt mich nicht ernst: So fühlst du Selbstsicherheit in der Partnerschaft weitere Impulse.

Fazit

Wenn Beziehungen Stress auslösen, ist das kein Zeichen dafür, dass mit dir etwas nicht stimmt. Es ist ein Hinweis darauf, dass gerade eine sehr alte, sehr menschliche Sehnsucht nicht gestillt wird. Und diese Sehnsucht reicht meist tiefer als der aktuelle Konflikt mit deinem Partner, deinem Kind oder deinen Eltern. Deine Prägung aus der Kindheit entscheidet mit, wie sicher oder unsicher sich Nähe für dich anfühlt. Und dein Nervensystem reagiert auf ungelöste Beziehungsspannungen genauso wie auf jede andere Form von Dauerstress: mit Anspannung, die sich mit der Zeit in Erschöpfung verwandeln kann.

Der Weg heraus beginnt nicht damit, den anderen zu verändern. Sondern damit, dir selbst die drei Fragen aus diesem Artikel zu stellen: Was sehe ich in dieser Person? Was wünsche ich mir wirklich? Und von wem hätte ich mir das ursprünglich gewünscht? Wenn du diesem unerfüllten Bedürfnis auf die Spur kommst, kannst du beginnen, den bedürftigen Anteil in dir selbst zu nähren. Statt darauf zu warten, dass dein Umfeld es für dich übernimmt. Das macht dich nicht abhängiger von anderen – es macht dich freier. Freier für klare Worte, gesunde Grenzen und Beziehungen, die dich tatsächlich tragen, statt dich auszulaugen.

Wichtige Fragen mit kurzer Antwort

Warum stresst mich das Verhalten meines Partners so sehr, obwohl andere darüber lachen würden?

Weil das, was dich triggert, selten nur mit der aktuellen Situation zu tun hat. Oft berührt es ein älteres, unerfülltes Bedürfnis aus deiner Kindheit oder frühen Beziehungserfahrung. Die drei Reflexionsfragen aus diesem Artikel helfen dir, diesem Zusammenhang auf die Spur zu kommen.

Was hat mein Bindungsstil mit meiner heutigen Erschöpfung zu tun?

Dein Bindungsstil prägt, wie du auf Nähe, Distanz und Konflikt reagierst. Wenn du zum Beispiel gelernt hast, ständig die Stimmung anderer abzuscannen, hält das dein Nervensystem dauerhaft in Anspannung – und das kostet auf Dauer Kraft.

Kann ich meinen Bindungsstil im Erwachsenenalter noch verändern?

Ja. Bindungsstile sind erlernte Strategien, keine feste Eigenschaft. Über Selbstwahrnehmung, das bewusste Nähren innerer Anteile und – wenn hilfreich – Coaching oder Therapie können sich Muster im Laufe der Zeit verändern.

Was sind innere Anteile und wie kann ich sie selbst nähren?

Innere Anteile sind Aspekte deiner Persönlichkeit, die oft aus früheren, prägenden Erfahrungen entstanden sind. Du kannst sie nähren, indem du dich bewusst mit einer positiven Ressourcenerfahrung verbindest und diesen Anteilen aus deinem heutigen, erwachsenen Ich heraus Sicherheit und Zuwendung schenkst.

Bedeutet das, dass die Probleme in meiner Beziehung nur an mir liegen?

Nein. Auch dein Gegenüber bringt eigene Themen mit. Der Unterschied ist: Du kannst nur deine eigene Perspektive und dein eigenes Erleben verändern – nicht das des anderen. Genau das gibt dir wieder Handlungsspielraum.

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