Wenn du erschöpft bist und keine Methode richtig wirkt, ist das mit viel Leidensdruck verbunden. Viele Frauen, die zu mir kommen, haben bereits viel ausprobiert, auf dem Weg aus der Erschöpfung. Sie haben gelesen, reflektiert, sich Rückzugsräume geschaffen, vielleicht Yoga oder Meditation integriert, Retreats besucht, sich bewusst Auszeiten genommen oder sogar Unterstützung in Therapie und Coaching gesucht.
Und trotzdem ist da diese tiefe Erschöpfung, die sich nicht wirklich auflöst. Nicht diese angenehme Müdigkeit nach einem langen Tag, sondern eine Erschöpfung, die sich wie eine tiefe Lähmung anfühlt. Und selbst das, was eigentlich helfen sollte, kostet zunehmend Kraft, was wiederum das Gefühl von Hilflosigkeit verstärkt.
Oft entsteht daraus ein leiser Zweifel: Mache ich etwas falsch? Gibt es noch die eine Methode, die ich noch nicht gefunden habe? Genau an dieser Stelle setzt ein Missverständnis an, das viele Frauen zusätzlich unter Druck setzt. Denn der Weg aus der Erschöpfung folgt nicht der Logik von „mehr tun“ oder „es endlich richtig machen“. Er beginnt an einem ganz anderen Punkt – und oft viel leiser und unscheinbarer, als wir es erwarten. Diesen Weg möchte ich in meinem Beitrag beleuchten.
Warum viele Methoden nicht wirken, obwohl sie hilfreich sind
Viele Frauen tragen eine lange Geschichte von Daueranspannung, emotionaler Überforderung oder frühem Sich-Zusammenreißen in sich, dass sie z. B. in Starre oder Rückzug gefangen hält. Das Nervensystem war über einen langen Zeitraum im Alarm- oder Durchhaltemodus. In solchen Zuständen kann der Kopf zwar verstehen, was helfen sollte, doch der Körper bleibt weiterhin in innerer Alarmbereitschaft.
Das führt häufig zu einem frustrierenden Erleben: Man weiß so viel, kann Zusammenhänge erklären, erkennt Muster – und trotzdem stellt sich keine nachhaltige Entlastung ein. Der Grund dafür liegt nicht im mangelnden Willen oder in fehlender Disziplin, sondern in der Art, wie unser Nervensystem lernt.
Fallbeispiel Sophie: Beunruhigende Erschöpfung
Sophie erlebte schon seit einigen Monaten eine tiefe Erschöpfung. Diese wurde begleitet von innerer Unruhe, die einerseits mit ihren Sorgen bezüglich ihres emotionalen und körperlichen Zustands zusammen hing. Andererseits tauchte sie auch auf, obwohl es im Außen keinen offensichtlichen Anlass dafür gab. Diese Unruhe blieb hartnäckig, obwohl sie sich eine lange Pause in ihrer Arbeit als Unternehmerin verschrieben hatte und es quasi keinen Alltagsstress mehr gab.
Die Unruhe nahm ihr die Fähigkeit, Dinge wirklich zu genießen. Selbst schöne Momente, wie ein gemeinsamer Abend mit ihrem Partner bei einem Kartenspiel, ein Treffen mit ihrer Schwester oder die Vorfreude auf ein wichtiges Event in ihrer Firma, waren von diesem inneren Getriebensein überlagert. Das Gefühl, nicht vorwärtszukommen, machte Sophie ängstlich, wütend und traurig zugleich. „Ich habe doch schon so viel getan, um wieder zurück in meine Kraft zu kommen. Ich verstehe das nicht!“
Veränderung entsteht nicht durch kognitives Verstehen allein, sondern durch körperlich erlebbare Sicherheit. Der Weg aus der Erschöpfung beginnt dort, wo der Körper langsam neue positive Erfahrungen machen darf – nicht dort, wo er erneut gefordert wird.
Woran du erkennst, dass du wirklich auf dem Weg aus der Erschöpfung bist
Viele erwarten als Zeichen von Veränderung einen Zustand tiefer Entspannung oder dauerhafter Ruhe. In der Praxis zeigt sich erfolgreiche Selbst- oder Co-Regulation jedoch meist viel subtiler. Auf dem Weg aus der Erschöpfung tauchen oft kleine, aber bedeutsame Verschiebungen auf, die im Alltag spürbar werden.
Anzeichen für die Wirksamkeit einer Methode
Ob bei Erschöpfungszuständen eine oder mehrere Methoden hilfreich sind, kann sich wie folgt in verschiedenen Lebensbereichen ausdrücken:
In inneren Zuständen
- Eine etwas geringere innere Alarmbereitschaft (was sich z. B. in weniger Ängsten oder Gereiztheit zeigt),
- weniger körperliche Stresssymptome (z. B. Spannungskopfschmerz, der seltener oder milder auftaucht)
- eine sanftere Reaktion auf Belastung (z. B. mehr Klarheit in Konfliktgesprächen)
- oder ein wachsendes Gefühl von innerer Stabilität im Alltag.
In Beziehungen
- Auch Beziehungen können sich verändern – nicht unbedingt konfliktfrei, aber weniger eskalierend, wenn es mal zum Streit kommt.
- Du erlebst dich zugewandter, mitfühlender und verständnisvoller im Umgang mit dir selbst und anderen.
In gesundheitsrelevanten Bereichen
- Ein- und Durchschlafprobleme werden geringer,
- der Appetit natürlicher,
- kompensierende Muster (z. B. das „Sich-verlieren“ in sozialen Medien) verlieren langsam an Bedeutung.
Diese Liste hat natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Besonders wichtig ist dabei ein innerer Perspektivwechsel: Das Gefühl, nicht mehr hilflos ausgeliefert zu sein, sondern wieder Einfluss auf das eigene Erleben zu gewinnen. All das sind keine Ziele, die erreicht werden müssen, sondern Hinweise darauf, dass dein Nervensystem beginnt, sich neu zu orientieren. Im Kern beruht die Wirksamkeit einer Methode also darauf, dass sie regulierend auf das Nervensystem wirkt. Und das kann gelingen, wenn die Intervention im passenden Rahmen und Umfang angewandt wird.
Der Weg aus der Erschöpfung: ein Perspektivwechsel
Ein zentraler Gedanke, der vielen Frauen zunächst ungewohnt erscheint, ist dieser: Was mir guttut, muss sich nicht intensiv, tief oder spektakulär anfühlen – sondern wohltuend. Der Weg aus der Erschöpfung führt nicht über die beste oder effektivste Methode, sondern über kleine, wohltuende Erfahrungen, die den Körper nicht überfordern.
Oft sind es unscheinbare Momente, die regulierend wirken: eine angenehme Wärme, ein vertrauter Geruch, ein ruhiger Blick ins Freie oder ein Atemzug, der sich ein kleines bisschen freier anfühlt. Wohltuend bedeutet in diesem Zusammenhang nicht „alles ist gut“, sondern „es ist gerade sicher genug“. Genau dort beginnt nachhaltige Veränderung.
Warum die fünf Sinne eine so zentrale Rolle spielen
Unsere Sinne sind der direkteste Zugang zum Nervensystem und damit ein wichtiger Schlüssel auf dem Weg aus der Erschöpfung. Sie holen uns aus gedanklichen Schleifen und bringen uns zurück in den gegenwärtigen Moment. Wenn wir bewusst etwas Angenehmes wahrnehmen – sei es sehend, hörend, riechend, schmeckend oder über Berührung – verschiebt sich die innere Aufmerksamkeit langsam vom bodenlosen Fallen hin zu Stabilität und Geborgenheit.
Dabei geht es nicht um Verdrängung oder positives Denken, sondern um Neuverknüpfung. Das Nervensystem lernt: Ich kann hier sein, ohne immer auf „Hab Acht“ sein zu müssen. Diese Erfahrung – wiederholt und ohne Druck – bildet die Grundlage für echte Regulation.
Der Weg aus der Erschöpfung erfordert keine langen Übungszeiten. Oft reichen ein bis zwei Minuten bewusster Wahrnehmung. Du kannst dich zum Beispiel kurz auf deinen Sitz oder deine Füße am Boden konzentrieren und den Atem einfach beobachten, ohne ihn verändern zu wollen. Dann kannst du über einen deiner fünf Sinne einen Fokus auswählen, der sich gerade neutral oder angenehm anfühlt. Entscheidend ist dabei nicht, wie gut du es machst, sondern dass du dir erlaubst, neugierig zu beobachten, was sich in dir verändert.
Weiter oben habe ich dir von Sophie erzählt. Ihr Weg zu neuer Stabilität gibt ein bildhaftes Beispiel zu dieser Übung:
Fallbeispiel Sophie: In kleinen Schritten raus aus der Erschöpfung
Gemeinsam erarbeiteten wir, wie Sophie sich im Alltag bewusst kleine Inseln der Achtsamkeit schaffen konnte. Da sie ihre Kuscheldecke mit einem Gefühl der Geborgenheit verknüpfte, setzten wir diese bewusst als Ressource ein. Während sie auf dieser Decke saß, schloss sie die Augen und richtete ihre Aufmerksamkeit zunächst auf ihre Füße. Sie spürte den Kontakt zum Boden, nahm die weiche, schützende Decke auf ihrer Haut wahr und beobachtete, wie diese Empfindungen langsam auf ihren Körper wirkten. Mit der Zeit stellte sie fest, dass sich nicht nur ihre Gedanken beruhigten, sondern auch ihr Körper von einem Zustand innerer Alarmbereitschaft in ein Gefühl von Sicherheit wechseln konnte.
Durch das tägliche Wiederholen dieser oder ähnlicher einfachen, wohltuenden Übungen sank der empfundene Belastungsgrad ihrer inneren Unruhe (anfänglich bei 10 auf einer Skala von 10 und heute bei 1 bis 2). Damit kehrte auch die Fähigkeit zurück, wieder wirklich im Moment zu sein und die Dankbarkeit für die wohltuenden Dinge und Menschen in ihrem Leben zu spüren.
Fazit
Der Weg aus der Erschöpfung beginnt nicht mit weiterer Anstrengung, Optimierung oder Selbstkritik. Er beginnt dort, wo dein feines Nervensystem wieder erfahren darf, wie sich Stabilität anfühlt. Nicht auf einen Schlag, sondern Schritt für Schritt, in kleinen, wohltuenden Momenten. Erschöpfung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Signal, dass etwas anderes gebraucht wird als bisher. Es ist mir wichtig deutlich zu machen, dass es nicht darum geht, die unangenehmen Empfindungen, wie Müdigkeit oder Hilflosigkeit „weg zu machen“. Das Leben wird uns immer wieder vor herausfordernde Situationen stellen. Stattdessen geht es darum, trotz der Erschöpfung und ihren begleitenden Symptomen, einen Weg zu finden, wieder zu Kräften und innerer Stabilität zu gelangen.
Du musst nichts reparieren. Du darfst dich erinnern, was dir guttut. Und genau darin liegt der Anfang von echter Veränderung.

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